Sarkasmus für alle Jahreszeiten
von Rabea Müller
Ich möchte
sie einfangen,
die Unendlichkeit –
sie aufbewahren
im Bewusstsein,
wie Lichtnadeln, die
Funkelnd und schimmernd
Aus hohen Gläsern
Blicken …
Ich möchte
ihr folgen,
der Magie eines
Augenblicks –
sie zwischen die Zeilen
eines Gedichtes stecken und
mit ihrem Zauber
jeden Buchstaben
zum Schimmern
bringen ...
Ich lasse mich
in die Farben
um mich herum fallen,
stürze ins Bodenlose und
finde mich irgendwann
nach Luft ringend
tief unten wieder; in den
Katakomben meiner Seele; dort,
wo hohnlachende Gedanken
mit kalten Fingern nach mir
greifen und mir all meine
Lichtnadeln entwenden
wollen …
Stöhnend erhebe ich mich
und stelle fest, dass selbst
die tiefsten Abgründe eine
Besenkammer besitzen,
nämlich die meines Herzens.
Offenbar war ich
schon lange
nicht mehr
hier unten,
denn ich entdecke
Spinnennetze
dicht vom Staub überpudert,
die kreuz und quer durch meine
Wahrnehmung gesponnen
wurden ...
Ich müsste Tabularasa machen -
auch, wenn das meinem Blick
nicht das Finstere nimmt und die
Verschachtelungen meiner Seele
kaum weniger verkompliziert;
Lediglich der Ritt auf dem Besen
würde mir in Jeans und mit im
Luftzug klapperndem Gebiss,
wider Erwartens
wohl richtig gut
gelingen …