Pegasus

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Verein für kreatives Schreiben e.V.

Zeit, halt an!

von Ruth Birk


Ruhig gleitet das Boot dahin, die Zeit läuft mit.
Ich spüre nichts, vergesse sie,
Nur schauen und genießen, zur inneren Einkehr finden.
Ruhe und Zufriedenheit erfüllen mich,
dem Alltag, der Stadt, dem täglichen Zwang Ade gesagt.
Mein Heim ist auf dem Wasser, ein anderes Leben.

Ruhig gleitet das Boot dahin auf breiten Flüssen, schmalen Kanälen.
Sonnenstrahlen stehlen sich durch belaubte Ufer,
schmeicheln mit lichten Bäume, funkeln im Wasser,
Übergießen Wiesen und Felder,
erhellen sanfte Hügel, steil abfallende Felsen,
Blumen sprühen Farbigkeit zurück.
Ruhig gleitet das Boot dahin, die Zeit läuft mit.

Einsame Angler warten beharrlich mit langer Rute,
Menschen stehen, schauen, winken.
Städte, Dörfer, Schlösser, mal zerfallen, altersgrau
Mal herausgeputzt, malerisch, fangen den Blick
Kirchen grüßen spitztürmig, voller Leichtigkeit
Kathedralen überragen wuchtig mit eindrucksvoller Schwere,
Fabriken, Bahnen, Autobahnen sind zeitweise Begleiter

Ruhig gleitet das Boot dahin, die Zeit läuft mit.
Kein Rasten, kein Halten, nur schauen
Winzige Kleinigkeiten sind zu entdecken,
zitternde Gräser, bunte Blüten, schnappende Fische,
Libellen auf der Hand, Schmetterlinge auf weißem Deck
Reiher spähen furchtlos, Räuber der Lüfte kreisen, suchen Beute.
Vögel zwitschern, jubilieren, ihr Gesang schwebt über der Stille.

Ruhig gleitet das Boot dahin,
tiefe Zufriedenheit, wahres Glück.
Nichts Anderes existiert, nur mein Dasein auf dem Boot.
Bitte Zeit halt an, bitte!
Doch unerbittlich läuft sie mit.